{"id":15578,"date":"2022-11-17T14:18:03","date_gmt":"2022-11-17T13:18:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.smith.care\/?p=15578"},"modified":"2025-09-30T17:01:33","modified_gmt":"2025-09-30T15:01:33","slug":"algorithmen-fuer-patientenversorgung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.smith.care\/de\/2022\/11\/17\/algorithmen-fuer-patientenversorgung\/","title":{"rendered":"Wie Algorithmen helfen k\u00f6nnen, die medizinische Forschung und Patientenversorgung zu verbessern"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>5 Fragen an\u2026 Nachwuchsforscher Christoph Beger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Christoph Beger ist Nachwuchsforscher in der SMITH-Nachwuchsgruppe \u201eTerminologie- und Ontologie-basierte Ph\u00e4notypisierung (TOP)\u201c an der Universit\u00e4t Leipzig. Der geb\u00fcrtige Leipziger hat Informatik studiert und besch\u00e4ftigt sich schon seit fast zehn Jahren mit der Entwicklung von Datenbanken und Webanwendungen f\u00fcr Forschungsdaten. Seit 2016 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der medizinischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Leipzig t\u00e4tig. In diesem Rahmen hat er am Institut f\u00fcr medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie ein System zur Ver\u00f6ffentlichung und Archivierung von medizinischen Forschungsdaten und -ergebnissen etabliert.<br>In der Nachwuchsgruppe TOP widmet er sich der algorithmischen Ph\u00e4notypisierung von medizinischen Daten und der Darstellung von medizinischem Wissen in Datenbanken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir haben mit Christoph Beger dar\u00fcber gesprochen, was algorithmische Ph\u00e4notypisierung ist und wieso sie die Forschung mit medizinischen Daten und somit langfristig auch die Patientenversorgung optimieren kann. Au\u00dferdem hat er uns verraten, wie die berufliche Zukunft als Nachwuchswissenschaftler in der Medizininformatik aussieht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Woran arbeiten Sie in Ihrer Nachwuchsgruppe und wo liegt Ihr spezielles Aufgabengebiet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unser Spezialgebiet ist die Ph\u00e4notypisierung. Das bedeutet, wir versuchen automatisiert gewisse Eigenschaften bzw. Ph\u00e4notypen von Patientinnen und Patienten zu erkennen und diese mit Hilfe von Ontologien und Terminologien zu modellieren. Ontologien sind Konstrukte, in denen Wissen abgebildet werden kann. In ihnen wird beispielsweise abstrakt beschrieben, was ein Ph\u00e4notyp ist und was f\u00fcr Untertypen es gibt. Das abgebildete Wissen ist so formalisiert, dass es f\u00fcr maschinelle Auswertungen verwendet werden kann.<br>Zudem bauen wir Computermodelle, mit denen wir gewisse Erkrankungen oder Risikofaktoren bei Patientinnen und Patienten fr\u00fchzeitig erkennen k\u00f6nnen. Auf die gleiche Weise k\u00f6nnen wir mit Hilfe der Ph\u00e4notypisierung Patientinnen und Patienten finden, die gewisse Kriterien f\u00fcr eine Studienteilnahme erf\u00fcllen. Hier ein konkretes Beispiel: Diabetes Mellitus Typ 2. Da geht es darum, dass man versucht, m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig anhand von bereits existierenden Diagnosen, Laborparametern oder verordneten Medikationen zu erkennen, ob eine Person Diabetes Mellitus Typ 2 hat. Mit unserer Forschungsgruppe unterst\u00fctzen wir dieses Vorgehen, indem wir entsprechende Tools daf\u00fcr entwickeln. Das ist im Prinzip auch mein Aufgabengebiet: Ich arbeite an der Entwicklung dieser Modelle, die als Grundger\u00fcst daf\u00fcr dienen, um solche Ph\u00e4notypen darstellen zu k\u00f6nnen. Auch im Bereich der Software-Entwicklung bin ich t\u00e4tig. Wir stellen ein fertiges Framework bereit, das wir den Kliniken oder Forschenden f\u00fcr Studien zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Thema ist f\u00fcr Laien nicht einfach zu verstehen. Wie sind Sie selbst dazu gekommen und was begeistert Sie an diesem Feld am meisten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich ist die Zusammenarbeit durch das SMITH-Projekt entstanden, in dem es ja genau darum geht, Patientendaten aus der klinischen Routineversorgung den Forschenden besser zur Verf\u00fcgung zu stellen. Das ist im Moment die Problematik: Wir haben eine riesige Menge an Daten, die in der Klinik anfallen, aber wir k\u00f6nnen nicht so wirklich darauf zugreifen. Die Daten k\u00f6nnen nicht einfach ausgewertet werden, sondern IT-Experten oder Biometriker, die gewisse Auswertungsskripte entwickeln, m\u00fcssen die Analyse ausf\u00fchren. Mit dem ontologischen Ansatz m\u00f6chten wir diesen Prozess vereinfachen, um letztendlich eine Fr\u00fcherkennung zu erm\u00f6glichen, die Patientenversorgung zu unterst\u00fctzen und das Gesundheitspersonal zu entlasten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Nachwuchsgruppe hat Mitte 2021 ihre Arbeit aufgenommen. Wie weit sind Sie mit ihrem Projekt momentan?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind im Moment so weit, dass wir das ph\u00e4notypische Modell in einem ersten Stadium fertig gestellt haben, sodass man Ph\u00e4notypen modellieren kann. Die Ausf\u00fchrung dieser Modelle ist teilweise auch schon m\u00f6glich. Gerade sind wir dabei die Berechnungen, die im Hintergrund laufen, zu erweitern, sodass wir noch weitere Anwendungsf\u00e4lle unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, in denen Ph\u00e4notypen zum Einsatz kommen sollen. Ein Beispiel: Wir k\u00f6nnen den BMI berechnen oder das eben beschriebene Beispiel von Diabetes Mellitus abbilden. Aber es gibt durchaus komplexere Ans\u00e4tze, wo dies noch nicht m\u00f6glich ist. Dahingehend versuchen wir das ganze Modell noch etwas zu sch\u00e4rfen. Woran wir momentan auch noch arbeiten, ist eine Webanwendung, in der sich Forschende ohne IT-Kenntnisse solche Modelle selbst zusammenbauen k\u00f6nnen. Diese sollen sie dann auf Datens\u00e4tzen ausf\u00fchren k\u00f6nnen, sodass im ersten Schritt Patientinnen und Patienten, die gewisse Kriterien erf\u00fcllen, identifiziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wohin m\u00f6chten Sie sich in Zukunft beruflich weiterentwickeln?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde mich nat\u00fcrlich freuen, wenn ich auch weiter im Bereich der Medizininformatik arbeiten kann. Vielleicht kommen noch spannende neue Projekte. Ich finde, dass dieser Bereich wirklich extrem wichtig f\u00fcr das Gesundheitssystem und die allgemeine Bev\u00f6lkerung ist. In den letzten Jahren hat sich das \u00f6ffentliche Interesse am Gesundheitssystem, den dortigen Prozessen und dessen Optimierung stark vergr\u00f6\u00dfert. Deshalb w\u00fcrde ich dort gerne weiterhin t\u00e4tig sein. Ich erachte Themengebiete wie Telemedizin, die Vernetzung zwischen Dienstleistern im Gesundheitssystem, aber auch den standardisierten Austausch von Informationen zwischen diesen Anbietern als sehr relevant. Was mir auch wichtig ist: Ich hatte bereits in der Kindermedizin mit statistischen Auswertungen zu tun und ich glaube, das ist tats\u00e4chlich ein Bereich, der im Moment zu kurz kommt. Die Kindermedizin sollte mehr unterst\u00fctzt werden. Der Fokus sollte st\u00e4rker auf der Pr\u00e4vention liegen, die in den ersten f\u00fcnf bis f\u00fcnfzehn Jahren bei Kindern und Jugendlichen relevant ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Forschung im SMITH-Konsortium ist mir wichtig, weil&#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>wir die Zug\u00e4nglichkeit zu Patientendaten aus der Krankenhausversorgung verbessern und damit auch die Forschung und somit die Patientenversorgung unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Beger, Nachwuchsforscher an der Uni Leipzig, erkl\u00e4rt im Interview, wie algorithmische Ph\u00e4notypisierung die Forschung mit medizinischen Daten verbessert und langfristig die Patientenversorgung optimiert.<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":15583,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-15578","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-5-fragen-an"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15578","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15578"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15578\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25353,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15578\/revisions\/25353"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15583"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15578"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15578"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15578"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}