{"id":19270,"date":"2023-08-30T15:40:00","date_gmt":"2023-08-30T13:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.smith.care\/?p=19270"},"modified":"2025-09-30T16:33:39","modified_gmt":"2025-09-30T14:33:39","slug":"5-fragen-an-projektabschluss-help","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.smith.care\/de\/2023\/08\/30\/5-fragen-an-projektabschluss-help\/","title":{"rendered":"Synergie von Medizin und IT: Fortschritte in der Infektionsmedizin"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>5 Fragen an Roland Ihle und Anja Stempel zum Projektabschluss von HELP<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Zunahme multiresistenter Keime stellt \u00c4rztinnen und \u00c4rzte in Krankenh\u00e4usern vor wachsende Herausforderungen. Eine Infektion mit dem Bakterium Staphylococcus aureus beispielsweise endet in vielen F\u00e4llen t\u00f6dlich. Die richtige Antibiotikatherapie kann die Sterblichkeit deutlich senken. Werden Antibiotika jedoch zu h\u00e4ufig oder falsch angewendet, k\u00f6nnen Krankheitserreger Resistenzen entwickeln. Hier setzte das klinische Projekt HELP an: Mit Hilfe einer App sollte die infektiologische und mikrobiologische Beratung auf den Stationen unterst\u00fctzt und der Einsatz von Antibiotika optimiert werden. Das HELP-Manual hat als Web-App oder PDF-Download behandelnde \u00c4rztinnen und \u00c4rzte Schritt f\u00fcr Schritt durch die Diagnose und Therapie von Staphylokokken-Blutstrominfektionen gef\u00fchrt. Die Studie zur Nutzung des HELP-Manuals lief von 2020 bis 2022 an den Unikliniken in Aachen, Essen, Halle, Jena und Leipzig. Ende Juni 2023 wurde das Projekt abgeschlossen. HELP ist ein klinischer Anwendungsfall des SMITH-Konsortiums im Rahmen der Medizininformatik-Initiative (MII).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im unserem aktuellen \u201e5 Fragen an\u201c-Interview teilen Roland Ihle, Softwareingenieur im Datenintegrationszentrum der Universit\u00e4tsmedizin Essen, und Anja Stempel, Studienkoordinatorin der Klinik f\u00fcr Infektiologie an der Universit\u00e4tsmedizin Essen, ihre Erkenntnisse aus der HELP-Studie. Zudem erkl\u00e4ren Sie, welche Aspekte bei der nahtlosen Integration von IT-L\u00f6sungen in den klinischen Alltag ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Ihle, Sie haben bei der technischen Bereitstellung des HELP-Manuals mitgewirkt. Das Manual unterst\u00fctzt \u00c4rztinnen und \u00c4rzte bei der verantwortungsvollen Antibiotikatherapie bei Staphylokokken-Blutstrominfektionen. Welche technischen Herausforderungen haben Sie dabei bew\u00e4ltigt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Roland Ihle: Die technische Umsetzung umfasste drei Aufgaben: Als Erstes haben wir in Zusammenarbeit dem Team der Mikrobiologie die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte dar\u00fcber informiert, dass es \u00fcberhaupt ein HELP-Manual gibt. F\u00fcr die technische Implementierung haben wir auf dem Mikrobiologie-Befund einen Link integriert, den die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte anklicken konnten, um dem HELP-Manual zu folgen. Zweitens haben wir die Study Nurses t\u00e4glich per E-Mail \u00fcber die konkreten Patientinnen und Patienten informiert, bei denen ein Verdacht auf eine Staphylokokken-Infektion bestand. Diese Patientinnen und Patienten waren potenziell f\u00fcr die Studie geeignet. Der dritte und letzte Teil war das Spannendste an dem ganzen Projekt: die Auswertung der Daten. \u00dcber ein elektronisches Erfassungssystem namens RedCap haben die Study Nurses die Daten der betroffenen Patientinnen und Patienten eingetragen. Die Daten aus den Frageb\u00f6gen, wie beispielsweise Informationen zu Infektionsart oder Medikation, mussten mit den Patientendaten zusammengef\u00fchrt werden, die in unseren prim\u00e4ren Quellsystemen schon vorhanden waren. Um sicherzustellen, dass die Auswertungsskripte an allen Standorten einheitlich funktionierten, war es erforderlich, die Daten an jedem Standort in ein einheitliches Format zu \u00fcberf\u00fchren. In der MII wird dieser Prozess unter dem Begriff \u201eInteroperabilit\u00e4t\u201c zusammengefasst. Diese zu erreichen war das Ziel: Zu zeigen, dass wir die Daten so homogenisieren und strukturieren k\u00f6nnen, dass sie an jedem Uniklinikum einheitlich vorliegen. Die Tatsache, dass dies im Gesundheitswesen nicht bereits der Fall ist, stellt gegenw\u00e4rtig eine erhebliche Herausforderung dar.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das HELP-Manual wurde an f\u00fcnf universit\u00e4tsmedizinischen Standorten von 2020 bis 2022 im Rahmen einer Studie getestet. Worauf ist bei der Implementierung der App von klinischer Seite zu achten? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Anja Stempel: Das HELP-Manual ist am Universit\u00e4tsklinikum Essen gut aufgenommen worden, weil wir nat\u00fcrlich auch gut geschult haben. Wir sind kurz vor der Freischaltung zu jeder Station gegangen und haben die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt, was dieser Link auf dem Mikrobiologie-Befund bedeutet. Au\u00dferdem haben wir \u00fcber viele unterschiedliche Kan\u00e4le kommuniziert, dass es das HELP-Manual gibt, zum Beispiel \u00fcber den klinikinternen Newsletter, mit Flyern und einer Pr\u00e4sentation. Immer wieder haben wir auf den Stationen angerufen, um m\u00f6gliche Schwierigkeiten zu kl\u00e4ren. Wenn viele \u00c4rztinnen und \u00c4rzte in eine Rotation gehen und wechseln, wie es gerade in so einem gro\u00dfen Klinikum wie dem Universit\u00e4tsklinikum Essen \u00fcblich ist, ist es manchmal schwierig jede \u00c4rztin und jeden Arzt zu schulen. Ich glaube die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung war, alle \u00c4rztinnen und \u00c4rzte mit ins Boot zu holen. Die Anwendung des Manuals war letztlich freiwillig. Wir hatten nie einen Einfluss darauf, ob \u00c4rztinnen und \u00c4rzte auch wirklich auf diesen Link klicken.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie war das Feedback von den Klinikerinnen und Klinikern zur Nutzung des HELP-Manuals?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Anja Stempel: Wir haben einige gute R\u00fcckmeldungen bekommen. Am Universit\u00e4tsklinikum Essen sind wir allerdings nicht auf das Manual angewiesen, da \u00fcber den Antibiotika-Beratungsservice und die infektiologischen Konsile eine Beratung gew\u00e4hrleistet wird. Aber wir finden ganz klar, dass das HELP-Manual gerade f\u00fcr kleinere Krankenh\u00e4user ohne Mikrobiologie oder Infektiologie eine gro\u00dfe Hilfe sein kann. So kann eine falsche Therapie oder eine Antibiotikaverschwendung verhindert werden. Aber auch an gr\u00f6\u00dferen Kliniken w\u00fcrde es das Leben einfacher machen, denn dann m\u00fcsste nicht immer sofort ein Konsil mit den Kolleginnen und Kollegen der Infektiologie oder Mikrobiologie ausgel\u00f6st werden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was haben Sie beide aus dem Projekt gelernt? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Anja Stempel: Dass es schwierig ist, so ein Projekt \u00fcberall in Deutschland durch die Ethikkommission zu bekommen. Jeder Standort war dabei auf einem ganz anderen Stand und es hinkte an manchen Stellen. Das hat sich jetzt im Jahr 2023 zum Gl\u00fcck gel\u00f6st. Ich habe auch gelernt, dass jedes Universit\u00e4tsklinikum anders arbeitet und zum Beispiel unterschiedliche Software nutzt. Das war f\u00fcr uns nicht immer einfach. Auch wenn wir H\u00fcrden hatten, im Gro\u00dfen und Ganzen hat es sehr viel Spa\u00df gemacht mitzuwirken. Ich hoffe f\u00fcr die Zukunft, dass wir die Antibiotikatherapien verringern k\u00f6nnen und \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Gebrauch von Antibiotika verhindert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Roland Ihle: Ich habe mit dem Klinikalltag gar nichts zu tun und habe auch keine Ahnung von Medizin, aber technisch war das nat\u00fcrlich sehr spannend. Es war f\u00fcr mich das erste Projekt, in dem ich eine Studie begleiten durfte. Dabei habe ich viel \u00fcber FHIR, die Datenstrukturen und das RedCap-System gelernt, mit dem ich vorher noch nie gearbeitet habe. Was in dem Projekt gemacht wurde, war alles neu und deshalb sehr interessant f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beenden Sie folgenden Satz: An meiner Mitarbeit im SMITH-Projekt habe ich besonders gesch\u00e4tzt&#8230; <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Anja Stempel: &#8230;die Zusammenarbeit mit der IT. Das kenne ich so nicht, es war wirklich ein tolles Zusammenspiel und hat mir pers\u00f6nlich sehr viel gebracht. Sehr gesch\u00e4tzt habe ich generell das Team des SMITH-HELP-Projekts, den Zusammenhalt, die Positivit\u00e4t und wie wir die H\u00fcrden gemeinsam gemeistert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Roland Ihle: &#8230;die interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit. Wir als Mitarbeitende im Datenintegrationszentrum kommen selten aus der eigenen Abteilung heraus. Es war deshalb mal sch\u00f6n, viel mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Infektiologie zusammengearbeitet zu haben. So haben wir auch etwas vom klinischen Alltag gesehen. Wir haben aber mitbekommen, wo etwas nicht so gut funktioniert und wo wir technische L\u00f6sungen bereitstellen k\u00f6nnten. Gleichzeitig lief die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Standorte sehr gut. Es war sch\u00f6n zu sehen, wie die anderen Standorte arbeiten und wie es dort in der IT aussieht. Das ist eigentlich das was am Ende z\u00e4hlt, dass wir uns mit den anderen Standorten vernetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im unserem aktuellen \u201e5 Fragen an\u201c-Interview teilen Roland Ihle und Anja Stempel ihre Erkenntnisse aus der HELP-Studie.<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":19288,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-19270","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-5-fragen-an"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19270","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19270"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19270\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25329,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19270\/revisions\/25329"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19288"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19270"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19270"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19270"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}