{"id":23985,"date":"2024-10-24T12:59:18","date_gmt":"2024-10-24T10:59:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.smith.care\/?p=23985"},"modified":"2025-09-30T16:01:35","modified_gmt":"2025-09-30T14:01:35","slug":"5-fragen-an-zum-start-der-interpolar-studien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.smith.care\/de\/2024\/10\/24\/5-fragen-an-zum-start-der-interpolar-studien\/","title":{"rendered":"Eine digitale Unterst\u00fctzung f\u00fcr Stationsapothekerinnen und -apotheker"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>5 Fragen an&#8230; Prof. Dr. Andr\u00e9 Scherag und Dr. Daniel Neumann zum Start der INTERPOLAR-Studien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im <a href=\"https:\/\/www.smith.care\/de\/interpolar_mii\/interpolar\/\">INTERPOLAR<\/a>-Projekt der <a href=\"https:\/\/www.smith.care\/de\/smith-konsortium\/ueber-die-medizininformatik-initiative-mii\/\">Medizininformatik-Initiative (MII)<\/a> wird untersucht, wie IT-L\u00f6sungen die Arbeit von Stationsapothekerinnen und -apothekern unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Nach fast zwei Jahren Vorbereitung startet das INTERPOLAR-Projekt nun in die praktische Phase: In einer mehrstufigen Studie wird das Arzneimitteltherapiesicherheits (AMTS)-Cockpit auf 48 Stationen \u00fcber acht Universit\u00e4tskliniken hinweg implementiert und an zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlten Stationen als Tool f\u00fcr die Medikationsanalyse eingesetzt. Das Ziel ist es, die Arzneimitteltherapiesicherheit zu steigern und die knappen Ressourcen in Kliniken optimal zu nutzen. Im Interview geben Prof. Dr. Andr\u00e9 Scherag, stellvertretender Verbundkoordinator, und Dr. Daniel Neumann, wissenschaftlicher Projektmanager in INTERPOLAR, einen Einblick in die Hintergr\u00fcnde der INTERPOLAR-Studien und den Einsatz des AMTS-Cockpits.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im INTERPOLAR-Projekt soll untersucht werden, ob Stationsapothekerinnen und -apotheker bei ihrer Medikationsanalyse von IT-Unterst\u00fctzung profitieren. Welche Schritte sind hierf\u00fcr im Projekt geplant? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Prof. Dr. Andr\u00e9 Scherag:<\/strong> Das Projekt l\u00e4sst sich in drei Phasen unterteilen: Vorbereitung, Durchf\u00fchrung und Auswertung. In der Vorbereitungsphase m\u00fcssen wir regulatorische und rechtliche Rahmenbedingungen abkl\u00e4ren. F\u00fcr die Studien und die hierf\u00fcr vorgesehenen Arbeiten ben\u00f6tigen wir zum Beispiel ein Ethik- sowie Studienprotokoll. Eine weitere Aufgabe erwartet uns im Bereich der Dokumentation, die \u00fcber die Stationen hinweg harmonisiert werden muss. Hierbei m\u00fcssen die \u201eTriggerlisten\u201c aktualisiert und vereinheitlicht werden. Diese Listen geben beispielsweise an, welche Medikamente nicht kombiniert werden sollten. Die eigentliche Studie l\u00e4uft in zwei Phasen ab. Zuerst wird eine einheitliche Dokumentation eingef\u00fchrt, dann erhalten die Stationsapothekerinnen und -apotheker nach und nach digitale Unterst\u00fctzung. Aktuell haben einige Standorte bereits die technischen Voraussetzungen, um mit der Dokumentation zu beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Daniel Neumann:<\/strong> Wir haben viel Zeit darauf verwendet, die Arbeitsabl\u00e4ufe sowie die Medikationsanalyse durch Stationsapothekerinnen und -apotheker zu verstehen. Dabei haben wir umfangreiche Prozessmodelle erarbeitet und abgestimmt. Hierauf haben wir die Entscheidungen \u00fcber die Medikation und die hierf\u00fcr notwendigen Informationen gelegt. So konnten wir die Informationen f\u00fcr IT-L\u00f6sungen in Kooperation mit dem <a href=\"https:\/\/www.adka.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA)<\/a> und der Medizininformatik-Initiative entwickeln. Jeder Standort arbeitet nunmehr an der Implementierung der IT-Unterst\u00fctzung und der Anbindung an die Datenintegrationszentren, bevor die Dokumentation der Patientinnen und Patienten beginnen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In INTERPOLAR soll eine sogenannte \u201ecluster-randomisierte Studie\u201c durchgef\u00fchrt werden; dabei werden Ergebnisse nicht zwischen einzelnen Patientinnen und Patienten, sondern zwischen Stationen verglichen. Weshalb haben Sie diese Vorgehensweise gew\u00e4hlt?\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Prof. Dr. Andr\u00e9 Scherag:<\/strong> Eine patientenbezogene Randomisierung w\u00e4re schwierig, da Stationsapothekerinnen und -apotheker fest bestimmten Stationen zugeteilt sind. In einer Station k\u00f6nnen nicht einige Patientinnen und Patienten mit IT-Unterst\u00fctzung behandelt werden, w\u00e4hrend andere ohne bleiben. Die Randomisierung auf Stationsebene tr\u00e4gt dazu bei, dass stationsspezifische Faktoren keinen zu starken Einfluss auf die Ergebnisse haben. Das stufenweise Einf\u00fchren der IT-Unterst\u00fctzung, das sogenannte &#8222;Stepped-Wedge-Design&#8220;, erlaubt es uns au\u00dferdem, logistische Herausforderungen besser zu bew\u00e4ltigen. Wir k\u00f6nnen damit besser absch\u00e4tzen, wie viel Mehrarbeit bei den Stationsapothekerinnen und -apothekern entsteht. Zudem k\u00f6nnen wir beobachten, wie sich die Ergebnisse im Zeitverlauf verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Daniel Neumann:<\/strong> Unsere Studie fokussiert sich auf die Versorgung und den bestm\u00f6glichen Einsatz der Stationsapothekerinnen und -apotheker zur Verbesserung der Patientensicherheit. Das alles spielt sich auf Stationen ab. Deswegen ist es nat\u00fcrlich sinnvoll, dass Stationsapothekerinnen und -apotheker auf den jeweiligen Stationen ber\u00fccksichtigt und randomisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf den teilnehmenden Stationen wird das Arzneimitteltherapiesicherheits (AMTS)-Cockpit eingef\u00fchrt. Wie genau l\u00e4uft die Nutzung ab? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Prof. Dr. Andr\u00e9 Scherag:<\/strong> Das AMTS-Cockpit wird in zwei Stufen eingef\u00fchrt. Zun\u00e4chst dokumentieren die Stationsapothekerinnen und -apotheker potenzielle Medikationsprobleme und geben Empfehlungen an das behandelnde \u00c4rzteteam. Bei der Dokumentation geben die Stationsapothekerinnen und -apotheker an, wo das Problem auftritt, welche Empfehlungen gegeben wurden und was zu \u00e4ndern ist. Dann muss die behandelnde \u00c4rztin oder der behandelnde Arzt entscheiden, ob die \u00c4nderung durchgef\u00fchrt wird. Manchmal gibt es einen f\u00fcr die Stationsapothekerinnen und -apotheker nicht offensichtlichen Grund, weshalb das Medikament bewusst gegeben wurde. Beispielsweise k\u00f6nnte ein noch schlimmeres Risiko vorliegen, das verhindert werden muss. Im zweiten Schritt soll das AMTS-Cockpit den Stationsapothekerinnen und -apothekern digitale Informationen bereitstellen, die ihnen helfen sollen, Patientinnen und Patienten zu identifizieren, die sie bei der Medikationsanalyse selbst noch nicht im Fokus hatten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Daniel Neumann:<\/strong> Durch das AMTS-Cockpit bekommen die Stationsapothekerinnen und -apotheker eine Struktur und einen \u00dcberblick \u00fcber ihre t\u00e4glichen T\u00e4tigkeiten. Bisher wurde zwar dokumentiert, aber nicht systematisch nachverfolgt, was mit den Medikationsproblemen passiert. Das Cockpit soll hier mehr Transparenz schaffen und eine gezieltere Nachverfolgung erm\u00f6glichen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen wir in Deutschland erstmalig eine Dokumentation aufgetretener und gel\u00f6ster arzneimittelbezogener Probleme schaffen. Dies ist f\u00fcr die weitere Forschung im Bereich von AMTS, Pharmakovigilanz und IT-Unterst\u00fctzung klinischer Prozesse sehr wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit welchen Herausforderungen rechnen Sie bei der Implementierung einer solchen IT-L\u00f6sung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Prof. Dr. Andr\u00e9 Scherag:<\/strong> Die Personen, die unsere IT-L\u00f6sung sp\u00e4ter nutzen sollen, m\u00fcssen diese erst einmal akzeptieren. Deshalb haben wir die Stationsapothekerinnen und -apotheker von Anfang an in den Entwicklungsprozess einbezogen. Ob es dann noch weitere H\u00fcrden gibt, k\u00f6nnen wir erst sehen, wenn die Anwendung in die klinische Praxis eingef\u00fchrt wurde. Auch bei der lokalen Implementierung der Softwarekomponenten, die vor allem in Leipzig entwickelt worden ist, k\u00f6nnte es zu Schwierigkeiten kommen. Das alles werden wir aber erst bei der Durchf\u00fchrung der Studie merken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Daniel Neumann:<\/strong> Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, dass das AMTS-Cockpit unabh\u00e4ngig von den Krankenhausinformationssystemen l\u00e4uft. Das kann zu einer Herausforderung werden, wenn Stationsapothekerinnen und -apotheker mit zwei parallelen Systemen arbeiten m\u00fcssen. Deshalb m\u00fcssen wir vorab gut mit den Stationsapothekerinnen und -apothekern kommunizieren. Dies setzt wiederum nat\u00fcrlich voraus, dass sie eine hohe Motivation haben, mitzuwirken. Nur dann kann die IT-Unterst\u00fctzung auch funktionieren, wenn sie implementiert ist. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bitte beenden Sie folgenden Satz: Ich finde das INTERPOLAR-Projekt ist f\u00fcr eine verbesserte medizinische Versorgung wichtig, weil&#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Daniel Neumann:<\/strong> &#8230;es erstmalig erm\u00f6glichen wird, eine systemische Forschung zwischen Versorgungssystem und IT-Unterst\u00fctzung zu betrachten. Dabei kann die nachweislich wichtige Unterst\u00fctzung durch Stationsapothekerinnen und -apotheker st\u00e4rker in den Alltag der klinischen Routine r\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Prof. Dr. Andr\u00e9 Scherag:<\/strong> &#8230;es hoffentlich zeigt, dass digitale Tools allen Beteiligten helfen k\u00f6nnen. Es gibt immer weniger Expertinnen und Experten, aber immer mehr und \u00e4ltere, multimorbide Patientinnen und Patienten. Das INTERPOLAR-Projekt bietet hier eine L\u00f6sung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach zwei Jahren Vorbereitung startet INTERPOLAR in die Praxis: Eine IT-Dokumentation f\u00fcr Stationsapothekerinnen und -apotheker wird auf 48 Stationen in acht Unikliniken getestet. 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