{"id":24182,"date":"2025-02-05T12:27:41","date_gmt":"2025-02-05T11:27:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.smith.care\/?p=24182"},"modified":"2025-09-30T15:34:19","modified_gmt":"2025-09-30T13:34:19","slug":"5-fragen-an-nachwuchsgruppe-ndemobil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.smith.care\/de\/2025\/02\/05\/5-fragen-an-nachwuchsgruppe-ndemobil\/","title":{"rendered":"Wie Smartphones und Wearables die Diagnose von Alzheimer und Parkinson unterst\u00fctzen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>5 Fragen an\u2026 Dr. Lara Marie Reimer, Leiterin der Nachwuchsgruppe NDEMobil<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die deutsche Bev\u00f6lkerung altert \u2013 damit gewinnen Alterskrankheiten wie Alzheimer-Demenz und Parkinson f\u00fcr die Forschung an Bedeutung. Diese neurodegenerativen Erkrankungen (NDE) stellen derzeit eine gro\u00dfe medizinische Herausforderung dar, da sie nicht heilbar sind und mit einem hohen Leidensdruck einhergehen. Eine fr\u00fchzeitige Diagnose ist entscheidend, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Die Nachwuchsgruppe NDEMobil am Universit\u00e4tsklinikum Bonn setzt hier an und erforscht technische L\u00f6sungen, die eine fr\u00fche Diagnostik und Verlaufsbeobachtung von NDE erm\u00f6glichen. Im Interview erkl\u00e4rt Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Lara Marie Reimer, wie genau Smartphones und Wearables bei NDE helfen k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Nachwuchsgruppe NDEMobil besch\u00e4ftigt sich mit technischen L\u00f6sungen zur Diagnostik und Verlaufsbeobachtung von neurodegenerativen Erkrankungen. Was fasziniert Sie an diesem Forschungsfeld am meisten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>NDE sind ein Thema, das uns alle betrifft. Viele kennen jemanden im Familienumfeld, der von Alzheimer oder Parkinson betroffen ist, und wissen, wie gro\u00df der Leidensdruck dieser Personen ist. Das gro\u00dfe Problem: Aktuell ist keine Heilung m\u00f6glich. Es gibt lediglich erste Ans\u00e4tze, die zum Beispiel bei Alzheimer darauf abzielen, dass der Erkrankungsbeginn verz\u00f6gert oder der Krankheitsverlauf verlangsamt wird. Dementsprechend ist der Druck gro\u00df, nach M\u00f6glichkeiten zu suchen, diese Krankheiten fr\u00fchzeitig zu erkennen und Behandlungen zu verbessern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem sind NDE sehr vielf\u00e4ltig. Neben den bekannten Symptomen wie der Vergesslichkeit bei Alzheimer oder dem Zittern bei Parkinson treten oft Begleiterkrankungen wie Depressionen auf. Dies erfordert ma\u00dfgeschneiderte L\u00f6sungen, um Symptome zu erkennen und Behandlungen zu bewerten.<br>Daf\u00fcr m\u00fcssen wir den gesamten Alltag der erkrankten Personen beobachten k\u00f6nnen, um herauszufinden, wo sie beeintr\u00e4chtigt sind. So sehen wir, wie und wo wir ansetzen k\u00f6nnen, um die Symptome zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie k\u00f6nnen Wearables bei der Diagnostik und Verlaufsbeobachtung von NDE helfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der gro\u00dfe Vorteil von Wearables und Smartphones ist, dass wir diese Ger\u00e4te t\u00e4glich mit uns herumtragen. Dadurch k\u00f6nnen sie sehr viele Daten erfassen, die wahrscheinlich repr\u00e4sentativ f\u00fcr unseren Alltag sind. Klinische Tests hingegen erfolgen in isolierten Situationen und k\u00f6nnen durch Faktoren wie Nervosit\u00e4t beeinflusst werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sehe ich die gro\u00dfe Chance von Smartphones und Wearables: Wir k\u00f6nnen sie dort einsetzen, wo Menschen ihren Alltag durchleben und so erfahren, was sie tats\u00e4chlich beeintr\u00e4chtigt \u2013 ohne den Testeffekt. Wir erfassen durch Smartphones und Wearables den ganzen Tag ohnehin eine gro\u00dfe Bandbreite an Daten \u00fcber uns, zum Beispiel Daten zur Bewegung oder Vitalparameter wie den Herzschlag. Diese Daten erm\u00f6glichen es uns, Ver\u00e4nderungen im Verhalten zu erkennen, die auf NDE hinweisen k\u00f6nnten, wie zum Beispiel reduzierte soziale Aktivit\u00e4ten. Erg\u00e4nzend dazu nutzen wir kognitive und motorische Tests auf dem Smartphone, um perspektivisch Empfehlungen f\u00fcr eine m\u00f6gliche \u00e4rztliche Abkl\u00e4rung geben zu k\u00f6nnen. Hier stehen wir aber noch sehr am Anfang.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie laufen die Forschungsarbeiten der Gruppe NDEMobil genau ab? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst pr\u00fcfen wir regelm\u00e4\u00dfig, welche Sensorik in den meisten modernen Smartphones vorkommt und welche Daten wir damit erfassen k\u00f6nnen. Wir bewegen uns hier in einem noch sehr jungen Forschungsgebiet. Aktivit\u00e4ts- und Vitaldaten aus Smartphones und Wearables wurden bisher kaum f\u00fcr die Erforschung von NDE genutzt. Das bedeutet, wir m\u00fcssen erst Hypothesen aufstellen: Wo k\u00f6nnte es, basierend auf der Literatur, bei der Erkrankung Ver\u00e4nderungen in den Vitaldaten oder im Bewegungsverhalten geben?<br><br>Dann bauen wir einen ersten technischen Prototyp und testen diesen zuerst mit gesunden Probandinnen und Probanden. Aussagekr\u00e4ftig sind die Daten, wenn diese sich bei \u00e4hnlichen Personen \u00e4hnlich verhalten, Untergruppen gefunden werden k\u00f6nnen oder sich eine Person bei wiederholten Messungen zu sich selbst \u00e4hnlich verh\u00e4lt. Ist dies der Fall, stellen wir mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Neurologie gr\u00f6\u00dfere Studien auf, bei denen wir die Daten von verschiedenen Patientengruppen in standardisierter Form auswerten k\u00f6nnen. Bis dahin dauert es aber noch etwas. Bei den meisten Studien befinden wir uns noch in einem Prototypisierungsstadium und gehen langsam in die Tests mit den Patientinnen und Patienten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche ersten Erkenntnisse haben die Forschungsarbeiten Ihrer Gruppe bereits hervorgebracht? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sitzen derzeit an zwei konkreteren Ver\u00f6ffentlichungen, die sich aus den Arbeiten der Nachwuchsgruppe ergeben. Die erste fokussiert sich auf Parkinsonfr\u00fcherkennung.<br>Hier haben wir mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Uniklinikum Bonn, dem Uniklinikum K\u00f6ln, dem Forschungszentrum J\u00fclich und weiteren Universit\u00e4ten einen Videoanalysealgorithmus geschrieben, der auf zwei einfachen Motoriktests basiert. Der erste Test ist ein so genannter \u201eFinger-Tapping-Test\u201c. Dabei muss die Probandin oder der Proband mit dem Daumen und Zeigefinger einer Hand zehn Mal schnell aufeinander tippen. In einem zweiten Test muss die Probandin oder der Proband die Faust \u00f6ffnen und schlie\u00dfen. Diese Tests haben wir bei Patinnen und Patienten, die an einer Schlafkrankheit leiden, einer Fr\u00fchstufe von Parkinson, durchgef\u00fchrt. Dabei konnten wir herausfinden, dass selbst in diesem Stadium bereits minimale Motorikver\u00e4nderungen vorliegen, die wir mit der Videoanalyse erkennen k\u00f6nnen. Parallel dazu haben wir \u00c4rztinnen und \u00c4rzten diese Videos gezeigt. Die Erkennung durch den Algorithmus war deutlich besser als die durch die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte. Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese als isoliert betrachtete Schlaferkrankung gar nicht so isoliert ist, sondern bereits mit Motorikver\u00e4nderungen einhergeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite Publikation bezieht sich auf unsere digitalen Kognitionstests, die wir basierend auf traditionellen Paper-Pen-Tests entwickelt haben. Diese Tests haben wir mit zus\u00e4tzlichen Parametern angereichert. Das Ergebnis: Die individuellen Ergebnisse der Motorik-Tests korrelieren mit der Geschwindigkeit, in der die Kognitionstests absolviert wurden. Diese Tests wollen wir in Zukunft mit Facetracking erweitern, um beispielsweise zu sehen, wie die Gesichtsreaktionen aussehen, wenn die Probandin oder der Proband nachdenkt. Das ist noch im Protoypenstadium. Zuk\u00fcnftig m\u00f6chten wir hierzu eine gr\u00f6\u00dfere standardisierte Studie durchf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bitte beenden Sie folgenden Satz: Patientinnen und Patienten profitieren von den im SMITH-Konsortium entwickelten technischen L\u00f6sungen, weil\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2026die Digitalisierung bestehende Prozesse vereinfacht und verbessert. Sie erm\u00f6glicht neue Methoden, die zu einer st\u00e4rkeren Personalisierung der Medizin beitragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alzheimer und Parkinson sind gro\u00dfe medizinische Herausforderungen. Fr\u00fchdiagnosen sind entscheidend. Die Nachwuchsgruppe NDEMobil in Bonn entwickelt technische L\u00f6sungen zur fr\u00fchen Erkennung. Mehr dazu im Interview.<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":24188,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-24182","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-5-fragen-an"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24182","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24182"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24182\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25287,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24182\/revisions\/25287"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24188"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24182"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24182"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.smith.care\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24182"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}