{"id":24781,"date":"2025-07-22T08:30:00","date_gmt":"2025-07-22T06:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.smith.care\/?p=24781"},"modified":"2025-09-30T15:19:11","modified_gmt":"2025-09-30T13:19:11","slug":"5-fragen-an-distance-patienteneinschluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.smith.care\/de\/2025\/07\/22\/5-fragen-an-distance-patienteneinschluss\/","title":{"rendered":"Digitale Betreuung nach der Intensivstation: \u201eWir konnten aus dem Feedback der Patientinnen und Patienten viel f\u00fcr unsere Arbeit mitnehmen\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Digitale Betreuung nach der Intensivstation: \u201eWir konnten aus dem Feedback der Patientinnen und Patienten viel f\u00fcr unsere Arbeit mitnehmen\u201c | 5 Fragen an \u2026 Petra Hetfeld &amp; Dr. Caren Martin zur Patientenrekrutierung im DISTANCE-Projekt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Viele ehemalige Intensivpatientinnen und -patienten leiden noch lange nach ihrem Klinikaufenthalt unter k\u00f6rperlichen und mentalen Beschwerden wie Konzentrationsst\u00f6rungen oder Muskelschw\u00e4che. Derartige Symptombilder werden als \u201ePost Intensive Care Syndrom\u201c (PICS) zusammengefasst und sind h\u00e4ufig mit einer Einschr\u00e4nkung der Lebensqualit\u00e4t verbunden. Um Betroffene besser zu begleiten und PICS systematisch zu erforschen, wurde im Digitalen FortschrittsHub DISTANCE die PICOS-App entwickelt. Sie erm\u00f6glicht Patientinnen und Patienten, ihren Gesundheitszustand im Alltag zu dokumentieren und liefert gleichzeitig wertvolle Daten f\u00fcr die Forschung. Im Rahmen der PICOS-Studie wird die App derzeit an insgesamt zehn regionalen Gesundheitseinrichtungen und Kliniken getestet \u2013 darunter am Universit\u00e4tsklinikum RWTH Aachen. Petra Hetfeld und Dr. Caren Martin waren in Aachen f\u00fcr die Rekrutierung der Patientinnen und Patienten in die PICOS-Studie zust\u00e4ndig. Im aktuellen \u201e5 Fragen an \u2026\u201c-Interview teilen sie ihre Erkenntnisse und Erfahrungen, die sie im direkten Kontakt mit den Teilnehmenden gesammelt haben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie lief die Rekrutierung der Patientinnen und Patienten in die PICOS-Studie genau ab?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Petra Hetfeld:<\/strong> Mehrmals w\u00f6chentlich haben wir die Intensivstationen gescreent \u2013 also gepr\u00fcft, welche Patientinnen und Patienten die Einschlusskriterien erf\u00fcllen: mindestens 24 Stunden beatmet oder 72 Stunden auf der Intensivstation, \u00fcber 18 Jahre alt und kognitiv in der Lage, teilzunehmen. Diese Personen haben wir angesprochen, die Studie sowie die PICOS-App vorgestellt und \u2013 wenn sie interessiert waren \u2013 zur Teilnahme eingeladen. Die Aufkl\u00e4rung der Patientinnen und Patienten hat Frau Dr. Martin \u00fcbernommen. Wenn sie eingewilligt hatten, wurde eine kleine Eingangsuntersuchung durchgef\u00fchrt. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus konnten die Teilnehmenden die App nutzen und wurden dann zu Kontrolluntersuchungen nach drei, sechs und zw\u00f6lf Monaten eingeladen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie haben Sie selbst die Durchf\u00fchrung der Studie und die Zusammenarbeit mit den Patientinnen und Patienten erlebt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Caren Martin:<\/strong> Wir waren positiv \u00fcberrascht, wie offen viele Patientinnen und Patienten gegen\u00fcber Gesundheits-Apps sind. Vor allem die M\u00f6glichkeit, nach dem Klinikaufenthalt in Kontakt zu bleiben, wurde sehr gesch\u00e4tzt. Wir haben grob zwei Gruppen erlebt: technikaffine Patientinnen und Patienten, die gro\u00dfes Interesse daran zeigten, mit Apps und Wearables ihre Gesundheit zu tracken, und solche, die sich mit digitalen Angeboten schwertun. Au\u00dferdem haben wir festgestellt, dass die Patientinnen und Patienten insgesamt sehr dankbar f\u00fcr die intensivmedizinische Versorgung waren, die sie bei uns in Aachen erhalten haben. Sie fanden es dar\u00fcber hinaus sinnvoll, mit ihrer Teilnahme zur Forschung beizutragen.<br><br><strong>Petra Hetfeld:<\/strong> Herausfordernd war die Nachbetreuung: Viele haben im Alltag vergessen, Daten einzugeben oder Termine wahrzunehmen. Da haben pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che, Erinnerungen per Mail oder ein Anruf sehr geholfen \u2013 oft reichte ein freundliches Gespr\u00e4ch, um die Teilnehmenden zu motivieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer waren typischerweise die Patientinnen und Patienten, die an der Studie teilgenommen haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Caren Martin:<\/strong> Durch die bundesweite Rekrutierung in unterschiedlichen Kliniken war das Bild sehr heterogen. In Aachen haben wir vor allem herzchirurgische Patientinnen und Patienten einbezogen, da sie meist die geforderte Liegedauer erreicht haben. In anderen H\u00e4usern \u00fcberwogen internistische oder unfallchirurgische F\u00e4lle. Altersm\u00e4\u00dfig lag der Schwerpunkt bei \u00fcber 60-J\u00e4hrigen, da J\u00fcngere seltener so lange intensivpflichtig sind. Wenn doch, sind sie oft schnell wieder im Alltag und schwerer f\u00fcr Nachuntersuchungen oder die Nutzung der PICOS-App zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ende Juni wurde der letzte Patient f\u00fcr die Studie rekrutiert, nun beginnt die Auswertung. Was haben Sie pers\u00f6nlich aus dem DISTANCE-Projekt mitgenommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Petra Hetfeld:<\/strong> F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war es interessant, ehemalige Intensivpatientinnen und -patienten \u00fcber den Zeitraum eines Jahres zu begleiten und den Heilungsprozess mitzuerleben. Normalerweise h\u00f6ren wir nie wieder von den Patientinnen und Patienten, nachdem sie uns verlassen haben. Durch die Studie haben wir mitbekommen, wie sie sich \u00fcber den Zeitraum von drei, sechs und zw\u00f6lf Monaten entwickeln \u2013 und wie lange es wirklich dauern kann, bis sie wieder vollst\u00e4ndig am Alltag teilnehmen k\u00f6nnen.<br><br><strong>Dr. Caren Martin: <\/strong>Als Intensivmedizinerin war es f\u00fcr mich besonders interessant, im Nachhinein von Patientinnen und Patienten zu h\u00f6ren, wie sie den Krankenhausaufenthalt erlebt haben. Gerade auf der Intensivstation sind sie aufgrund von Medikamenten, die wir geben m\u00fcssen, oft in ihrer Wahrnehmung eingeschr\u00e4nkt \u2013 bekommen aber vieles unterschwellig mit. Aus ihrem Feedback k\u00f6nnen wir sehr viel f\u00fcr unsere t\u00e4gliche Arbeit im Krankenhaus mitnehmen. Es freut mich, immer wieder von Patientinnen und Patienten zu h\u00f6ren, die sich gut bei uns aufgehoben gef\u00fchlt haben. Auch die Erkenntnis, wie unterschiedlich sich der Gesundheitszustand nach der Entlassung entwickelt, ist f\u00fcr zuk\u00fcnftige Versorgungskonzepte wichtig. Wenn es den Patientinnen und Patienten nach der Entlassung gut geht, ist es einfach sch\u00f6n zu sehen, dass die eigene Arbeit etwas gebracht hat \u2013 und dass die Menschen, die uns bei der Behandlung ans Herz gewachsen sind, wieder im Leben ankommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Patientinnen und Patienten profitieren vom DISTANCE-Projekt, weil \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Petra Hetfeld:<\/strong> \u2026 sie durch die Nutzung der App t\u00e4glich ihren Gesundheitszustand reflektieren und so einen \u00dcberblick \u00fcber ihre Entwicklung behalten.<br><br><strong>Dr. Caren Martin: <\/strong>\u2026 ihre Daten uns helfen, typische Herausforderungen im Jahr nach der Intensivbehandlung besser zu erkennen. So k\u00f6nnten wir diese Probleme zuk\u00fcnftig vermeiden oder individueller therapieren. Langfristig hoffen wir, mithilfe von k\u00fcnstlicher Intelligenz Prognosen entwickeln zu k\u00f6nnen, zum Beispiel durch Deep Learning oder Large Language Models.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber die Interviewpartnerinnen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Petra Hetfeld<\/strong> ist Study Nurse am Innovationszentrum f\u00fcr Digitale Medizin des Universit\u00e4tsklinikums RWTH Aachen. Sie betreut klinische Studien, dokumentiert Studiendaten und begleitet Patientinnen und Patienten \u00fcber die gesamte Studiendauer hinweg. Dar\u00fcber hinaus unterst\u00fctzt sie DISTANCE im Projektmanagement.<br><br><strong>Dr. Caren Martin<\/strong> ist Fach\u00e4rztin f\u00fcr An\u00e4sthesie und Intensivmedizin am Universit\u00e4tsklinikum RWTH Aachen und ist am Innovationszentrum f\u00fcr Digitale Medizin in der Projektarbeit t\u00e4tig. Im DISTANCE-Projekt betreut sie Patientinnen und Patienten vom Einschluss bis zur Nachbeobachtung und unterst\u00fctzt das Projektmanagement sowie die Auswertung medizinischer Fragestellungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele ehemalige Intensivpatientinnen und -patienten leiden unter Langzeitwirkungen. Die neue PICOS-App unterst\u00fctzt sie im Alltag und liefert Daten f\u00fcr die Forschung. 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