MII-Kerndatensatzmodul „Mikrobiologie“ am Datenintegrationszentrum Halle (Saale) implementiert
Standardisierte mikrobiologische Routinedaten für standortübergreifende Forschung verfügbar
Am Datenintegrationszentrum (DIZ) der Universitätsmedizin Halle wurde das Kerndatensatzmodul „Mikrobiologie“ der Medizininformatik-Initiative (MII) implementiert. Damit erreicht der Standort einen weiteren Meilenstein und erweitert seine interoperable Datenbasis um strukturierte mikrobiologische Befunde.
Der Kerndatensatz der Medizininformatik-Initiative definiert, welche klinischen Routinedaten an allen beteiligten Standorten in standardisierter Form vorgehalten werden sollen. Ziel ist es, die Daten standortübergreifend einheitlich zu strukturieren, um den Austausch von Gesundheitsdaten für die Forschung zu fördern. Der MII-Kerndatensatz ist unterteilt in Basis- und Erweiterungsmodule: Während die Basismodule „Diagnose“, „Laborbefund“, „Prozedur“, „Medikation“, „Consent“, „Person“ und „Fall“ fachlich übergreifend definiert sind, bilden die Erweiterungsmodule Daten spezifischere Anwendungs- und Fachgebiete ab.
MII-Kerndatensatz-Erweiterungsmodul „Mikrobiologie“ strukturiert mikrobiologische Befunde
An der Universitätsmedizin Halle ist das Kerndatensatz-Modul „Mikrobiologie“ das vierte Erweiterungsmodul, das neben den Basismodulen implementiert wurde.
Das Modul ermöglicht die standardisierte Erfassung und Strukturierung mikrobiologischer Diagnostik.
Dazu zählen:
- Kulturverfahren (Anzüchtung von Erregern aus Probenmaterial)
- Mikroskopische Untersuchungen
- Molekulardiagnostik (z. B. PCR-Verfahren zum direkten Nachweis genetischer Erregerbestandteile)
- Serologische und immunologische Analysen (Nachweis von Antikörpern oder Antigenen im Blut)
- Probeninformationen sowie Eigenschaften identifizierter Mikroorganismen
„Am DIZ Halle werden die Kultur-Diagnostik, immunologische bzw. serologische und molekulardiagnostische Untersuchungen abgebildet, “ erläutert Dr. Anne-Kathrin Hartig, die maßgeblich für die Implementierung und den Betrieb des Mikrobiologie-Moduls in Halle verantwortlich ist. DIZ-Leiter Dr. Daniel Tiller ergänzt: „Aktuell stehen mikrobiologische Daten ab März 2023 für Forschungsprojekte interoperabel zur Verfügung.“
DIZ Halle erschloss mikrobiologische Daten für den SMITH-Use Case HELP
Bereits in der Aufbau- und Vernetzungsphase der MII (2018 – 2022) war das DIZ Halle in enger Kooperation mit der Klinischen Infektiologie unter der Leitung von Dr. Stefan Moritz mit der Erschließung mikrobiologischer Daten beschäftigt. Beteiligt war der Standort unter anderem am infektiologischen Use Case HELP im SMITH-Konsortium, in dem ein Manual für den verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika bei Staphylokokken-Blutstrominfektionen entwickelt wurde.
Darüber hinaus war das DIZ Halle das erste, das Daten zum Infektionsgeschehen zur überregionalen Lagebeobachtung an das Dashboard des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) lieferte.
Anwendungsfall prüft Qualität epidemiologischer Daten zu Sepsis in der MII
Ein aktueller Anwendungsfall ist das Datennutzungsprojekt EpiQualiSep, das mit dem Forschungsdatenportal für Gesundheit (FDPG) durchgeführt wird. Ziel ist es, Sepsisfälle in Routinedaten zuverlässiger zu identifizieren.
Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organfunktionsstörung, ausgelöst durch eine fehlregulierte Immunreaktion auf eine Infektion. Trotz hoher Mortalität wird Sepsis in klinischen Dokumentationen häufig unzureichend erfasst. Dadurch bleibt unklar, wie viele Patientinnen und Patienten in Deutschland tatsächlich betroffen sind. Um fundierte Erkenntnisse hierzu zu gewinnen, werden im Projekt EpiQualiSep Daten aus elektronischen Krankenhausakten analysiert. Mithilfe von Hinweisen zur Abnahme von Blutkulturen, der Gabe von Antibiotika oder bestimmten Laborwerten werden Sepsisfälle indirekt identifiziert.
Das Modul „Mikrobiologie“ liefert hierfür eine zentrale Datengrundlage. Ohne strukturierte, standardisierte mikrobiologische Befunde wären solche sekundärdatenbasierten Analysen kaum valide umsetzbar.
Kerndatensatzmodul „Mikrobiologie“ bringt datenbasierte Forschung voran
Insgesamt schafft das Modul „Mikrobiologie“ die technische Grundlage für skalierbare, datenbasierte Forschungsprojekte. Es ermöglicht eine standardisierte, reproduzierbare und effiziente Nutzung klinischer sowie mikrobiologischer Daten und eröffnet damit neue Potenziale für klinische Forschung und mikrobiologische Analysen.