Datenintegrationszentren: Medizinische Forschung in Deutschland weiterentwickeln und mitgestalten
DIZ-Workshop am 12./13. Oktober 2026 Leipzig
Rund 70 Mitarbeitende und Leitungen der Datenintegrationszentren (DIZ) kamen vergangene Woche für zwei Tage in den Design Offices in der Alten Post Leipzig zusammen. Die DIZ, ursprünglich an universitätsmedizinischen Standorten eingerichtet, ermöglichen einen sicheren, datenschutzkonformen Zugang zu hochwertigen Daten aus der Routineversorgung.
Auf dem DIZ-Workshop standen unter dem Motto „Von der Weiterentwicklung zur Mitgestaltung“ der standortübergreifende Austausch, gemeinsame Herausforderungen und die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit im Mittelpunkt. Ziel war es, Erfahrungen zu teilen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und die Rolle der DIZ in der deutschen Forschungslandschaft weiter zu stärken.
Zehn Jahre Medizininformatik-Initiative: gemeinsam viel erreicht
Zum Auftakt blickten die Teilnehmenden auf den vergangenen DIZ-Workshop 2025 zurück. In drei Arbeitsgruppen unter der Moderation von Prof. Dr. Martin Boeker (TU München), Dr. Danny Ammon (Universitätsklinikum Jena), Prof. Dr. Thomas Ganslandt (FAU Erlangen-Nürnberg) und Dr. Philip Overton (TMF e. V.) hatten sie sich mit den Themen Nachhaltigkeit, technische Infrastruktur und effiziente Durchführung von Datennutzungsprojekten beschäftigt.
Anschließend gab Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch, Konsortialleiter des MIRACUM-Konsortiums, einen Überblick über die Entwicklung der Medizininformatik-Initiative (MII) in den vergangenen zehn Jahren. Was bei der Konzeption noch kaum vorstellbar war, ist heute Realität: Klinische Daten können lokal und standortübergreifend für die Forschung zusammengeführt werden. Statt der ursprünglich angedachten Zusammenarbeit weniger Kliniken umfasst die Initiative inzwischen 41 Standorte. Die intensive konsortienübergreifende Zusammenarbeit, gemeinsame Anwendungsfälle und das Forschungsdatenportal für Gesundheit (FDPG) haben diese Entwicklung maßgeblich vorangebracht. Die MII ist so zu einem einzigartigen Langzeitprojekt geworden, das die medizinische Forschung in Deutschland nachhaltig verändert hat.

Die Rolle der DIZ im Netzwerk Universitätsmedizin stärken
Ein weiterer Schwerpunkt des Workshops war die Frage, welche Rolle die DIZ künftig im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) übernehmen sollen. In seiner Keynote betonte Ralf Heyder, Leiter der Koordinierungsstelle des NUM: „Die Datenintegrationszentren dienen als ‚Enabler‘ für die NUM-Plattformen.“ Als zentrale Infrastrukturen für die Bereitstellung klinischer Routinedaten können sie die NUM-Forschungsplattformen unterstützen, Daten für standortübergreifende Projekte verfügbar machen und die Nutzung für Forschende vereinfachen. Auch die Transparenz über Datenverfügbarkeit und -qualität spielt dabei eine wichtige Rolle. Im Gegenzug bietet das NUM finanzielle Unterstützung für die DIZ und fördert deren Nutzung.
In zwei Break Out Sessions diskutierten die Teilnehmenden anschließend konkrete Herausforderungen und Perspektiven. Themen der ersten Break Out Session unter der Moderation von Dr. Tim Herrmann (Universitätsmedizin Magdeburg) waren technische Architekturen, Personalgewinnung und -qualifikation, die Zusammenarbeit mit anderen Dateninfrastrukturen und die Ziele für die Weiterentwicklung bis 2030.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass unterschiedliche organisatorische Rahmenbedingungen gemeinsame Lösungen erschweren können. Besonders wichtig war es den Teilnehmenden dieser Break Out Session, dass die DIZ gemeinsame Kernkompetenzen definieren, die sich an den Nutzerinnen und Nutzern der DIZ orientieren. Zudem sollen in ihrer Arbeit die Potenziale Künstlicher Intelligenz (KI) stärker genutzt werden.
Die zweite Break Out Session unter der Moderation von Natalie Klötgen (Ruhr-Universität Bochum) beschäftigte sich mit der stärkeren Einbindung der DIZ in übergeordnete Planungs- und Entscheidungsprozesse des NUM. Aus den Diskussionen zwischen den Teilnehmenden ging unter anderem hervor, dass mehr Kommunikation und Sichtbarkeit an den einzelnen Standorten die Positionierung der DIZ stärken würden.

Konkrete Lösungen und neue Einsatzmöglichkeiten für KI
Der zweite Workshoptag rückte praktische Ansätze in den Fokus.
Robert Krock (TMF e. V.) sprach zunächst über eine mögliche Finanzierung der DIZ über Datennutzungsprojekte. In einem weiteren Impulsvortrag zeigte Dr. Danny Ammon Beteiligungsmöglichkeiten der DIZ im Zusammenhang mit dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) auf. Er betonte, dass die Expertise der DIZ bei der Umsetzung von Vorhaben zur Interoperabilität gefragt ist und entsprechende Projekte zugleich die Weiterentwicklung ihrer Strukturen unterstützen können. Anschließend präsentierte Christian Erhardt (Universitätsklinikum Tübingen), wie REDCap als Serviceangebot der DIZ lokale Kliniken bei der Datenerhebung unterstützen kann.
In der zweiten Session drehte sich alles um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in den DIZ. Die Impulsvorträge von Georg Fette (Uniklinikum Würzburg), Dr. Jan Gewehr (Uniklinikum Hamburg-Eppendorf) und Prof. Dr. Martin Boeker (Technische Universität München) und die anschließende Diskussion zeigten, dass KI bereits vielfältig genutzt wird, etwa zur Strukturierung von Freitexten wie Anamnesen und Datenanfragen, zur Dokumentation oder zur Anonymisierung von Texten. Gleichzeitig können die DIZ wichtige Voraussetzungen für den Einsatz von KI schaffen, indem sie interoperable Daten für das Training von Modellen bereitstellen und die Nutzung entsprechender Anwendungen in der Forschung unterstützen.
Die zwei Tage haben gezeigt, wie viel die DIZ durch den Austausch und die gemeinsame Entwicklung von Lösungen erreichen können. Entscheidend für die nächsten Schritte sind eine stärkere Vernetzung, klare gemeinsame Ziele und die Möglichkeit, die Weiterentwicklung der Forschungsinfrastrukturen aktiv mitzugestalten.