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Zum Weltfrauentag – 5 Fragen an Dr. Anke Diehl

Dr. med. Anke Diehl leitet die Stabsstelle Digitale Transformation und ist Chief Transformation Officerin der Universitätsmedizin Essen (UME), einer der 19 Partner im SMITH-Konsortium. Sie engagiert sich speziell für die Digitalisierung in der medizinischen Versorgung und ist dafür erst kürzlich mit dem German Medical Award als „Medizinerin des Jahres 2021“ ausgezeichnet worden. Dr. Diehl setzt sich unter anderem für die Verbesserung der Patient:innenversorgung mittels Künstlicher Intelligenz ein und treibt das Thema „Smart Hospital“ maßgeblich mit voran. Darüber hinaus ist sie seit Ende letzten Jahres Mitglied im nationalen Expert:innengremium für Interoperabilität, dem „Interop Council“.

Anlässlich des Weltfrauentags haben wir mit Dr. Anke Diehl gesprochen.

Das Motto des diesjährigen Weltfrauentags ist „Break the Bias“. Welche Bedeutung hat dieses Motto für Ihren Themenbereich?

In der Medizin und speziell bei der Digitalisierung in der Medizin spielen verschiedene Arten von Bias eine große Rolle. Das Geschlecht ist dabei sicherlich eines der wichtigsten Beispiele: Allein medizinisch gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den biologischen Geschlechtern, wodurch z. B. Medikamente anders wirken können. Das wird in klinischen Studien aber zum Teil noch nicht ausreichend berücksichtigt. Aber auch auf Seite der Entwickler:innen von digitaler Medizin bzw. von Künstlicher Intelligenz (KI) gibt es ein großes Ungleichgewicht zugunsten von männlichen Entwicklern. Dadurch kann natürlich auch ein Bias entstehen und diesen zu entdecken bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen ist sehr wichtig.

Man bräuchte also mehr Frauen bzw. mehr Diversität in medizininformatischen Berufen?

Ja, genau – Diversität spielt nicht nur zur Vermeidung von Bias in der digitalen Medizin eine wichtige Rolle. Es ist sehr wichtig Diversität in jeglicher Form bewusst und frühzeitig mitzudenken, speziell bei der Entwicklung von technischen Lösungen. Interdisziplinäres Arbeiten auf Augenhöhe, die Integration von den verschiedenen Blickwinkeln und lösungsorientierte Diskussionen erfordern gewisse Soft Skills. Hier sind gemäß Studien aus der soziologischen und psychologischen Forschung Frauen durchaus im Vorteil. Hier können wir in der Medizin bzw. in der Medizininformatik auch lernen von anderen Beispielen der digitalen Transformation und den entsprechenden Work Skills 4.0. Der „Collective Genius“ erfordert Diversität und mehr Frauen in der digitalen Medizin.

Was unternehmen Sie aktiv, um die Themen Diversität, Collective Genius und Bias-Vermeidung speziell im Bereich der digitalen Medizin voranzutreiben?

Auf der einen Seite ist es mir wichtig, auf diese Themen auf höchster Ebene aufmerksam zu machen. So habe ich erst kürzlich zusammen mit exzellenten Fachkolleg:innen einen offenen Brief an die Bundesministerien für Gesundheit sowie für Bildung und Forschung formuliert, der auf die Wichtigkeit der geschlechterdifferenzierten Gesundheitsforschung auf nationaler Ebene hinweist. Andererseits ist es gerade für die Ausbildung ein wichtiges Thema. Im Wahlfach Gendermedizin halte ich beispielsweise eine Vorlesung zu Digitalisierung und KI und wir planen gerade eine Reihe von Workshops zu dem Thema. Bei den Nachwuchswissenschaftler:innen kommt das super an – sie fühlen sich direkt angesprochen. Zuletzt müssen wir auch die entsprechenden Vorbilder schaffen und das auch publik machen. So sind beispielsweise 4 von 7 Mitglieder:innen des Interop Councils – inklusive dessen Leiterin – Frauen.

Was möchten Sie jungen Talenten raten?

Die Zeit der Digitalisierung und des Einsatzes von intelligenten Systemen in der Medizin hat gerade erst begonnen, hier liegt also noch ein unglaubliches Potential sich zu engagieren. Nachwuchswissenschaftler:innen und junge Talente haben an der Schnittstelle zwischen Medizin, Psychologie, Informatik und Mathematik große Chancen sich einzubringen und aktiv etwas zu bewegen und dies nicht nur in der Theorie, sondern auch in der medizinischen Versorgungspraxis! Es gibt so viele tolle Projekte und Initiativen, die eine Kombination von Digitalisierung, Medizininformatik, KI mit Patient:innenversorgung ermöglichen. Das ist spannend, sehr befriedigend und ein absolut krisenfestes, zukunftssicheres Arbeitsumfeld mit Innovationspotential.

Bitte beenden Sie folgenden Satz: Die Mitarbeit im SMITH-Konsortium der Medizininformatik-Initiative ist für mich wichtig, weil

Interoperabilität eines der essentiellen Kernpunkte bei der Digitalisierung in der Medizin sowie insgesamt beim Thema Smart Hospital darstellt.